Kama – der Lieblingsnachtisch der Esten

In den langen Zeiten staatlicher Nichtexistenz sind nationale Traditionen zum Überleben eines Volks besonders wichtig. Das gilt besonders für die traditionelle Küche eines Landes. So lieben auch die Esten ihre Traditionen und ganz besonders ihre traditionelle estnische Küche, die bis heute sehr lebendig ist.

Kama – Das Zauberpulver

„Kama“ heißt das Zauberpulver dieser estnischen Küche und wird hauptsächlich beim Frühstück und zum Nachtisch als wichtige Zutat verwandt. Das Kamapulver an sich ist eine Mischung aus Roggen-, Hafer-, Erbsen- und Gerstenmehl. Es gibt auch Mischungen, die statt Hafermehl Weizenmehl enthalten.
Auf dem Land vor allem wurde das Kama-Pulver jahrhundertelang mit Buttermilch, Sauermilch oder Dickmilch verrührt und als erfrischendes, aber auch sättigendes Getränk verwandt. Etwas dicker angerührt und mit Beeren angereichert, wurde Kama zu einer erfrischenden aber auch sättigenden Sommermahlzeit.
Kama fand aber auch Einzug in die Küchen der bürgerlichen städtischen Haushalte. Da war der Schritt zu kreativen Desserts auf Kama-Basis nicht weit. Bei Kama-Nachtischen wird die Milch meist durch süße oder saure Sahne ersetzt, gern auch durch Quark oder Joghurt. Wird ausschließlich Sahne verwendet, wird die Konsistenz der Kamakrem meist durch aufgelöste Gelatine fester.

Kama-Speisen als Nachtisch

Für eine klassische Kama-Quarkspeise werden 500g Quark mit etwas Milch glattgerührt. Etwa 100g Kama, 4-5 Esslöffel Zucker dazugeben und alles gut vermischen. Moosbeeren nach Geschmack beifügen, mindestens aber etwa 100 g. Hilfsweise können auch Moosbeerenmarmelade oder Moosbeeren aus dem Glas verwendet werden. Ganz besonders lecker und prima zu Kama passend wäre auch die estnische Sanddornmarmelade.
Die „Kamacreme (est. Karmakrem)“ nimmt bis heute unangefochten einen der Spitzenplätze auf der Beliebtheitsskala bei den Leib- und Magenspeisen der Esten ein. Meist wird sie nur kurz Kama genannt, in Restaurants in raffinierteren Varianten auch gern „Kama-Mousse“.

Die Herstellung einer „Kama-Mousse“ ist ganz einfach. Für zwei Personen wird ein halber Liter Sahne mit zwei Esslöffeln Zucker steif geschlagen. 250 g Joghurt und drei bis vier gehäuften Esslöffel Kamamehl sowie pürierte Beeren oder Waldbeeren der Saison werden verrührt. Unter die Masse wird vorsichtige die geschlagene Sahne untergehoben. Anschließend die Mousse kaltstellen. Die Creme vor dem Servieren mit Beeren der Saison verzieren.
Es gibt unzählige Varianten von Kamakrem, mehr über diese estnischen Süßspeisen lesen Sie im Kochbuch „Die estnische Nationalküche“.

Vielseitiges Kamapulver

Doch das Kama-Pulver kann noch mehr, denn auch zum Frühstück wird schon Kama gegessen. Was dem Deutschen das Müsli, ist dem Esten sein Kama. Zum Frühstück wird Kamapulver mit Milch, Buttermilch, Kefir oder Joghurt zu einem Brei verarbeitet, der je nach Geschmack mit Zucker oder Honig gesüßt wird. Auch eine beliebte Variante mit Honigsoße existiert. Eine herzhafte Variante wird gepfeffert und etwas gesalzen.
Man möchte es nicht glauben, aber Kama gibt es auch als Schokoladenersatz, der richtig wohlschmeckend und bei weitem gesünder ist als „echte“ Schokolade. Während einer der vielen Versorgungskrisen zu Zeiten, als Estland sowjetisch war, kamen findige Esten in der 1970er Jahren darauf, die nicht zu beschaffenden Kakaobohnen durch Kama zu ersetzen. „Kamatahvel heißt das Produkt, das bis heute in fast jedem estnischen Supermarkt erhältlich ist. Inzwischen wurde Kamatahvel aufgepeppt und es gibt das Kamaprodukt in verschiedenen Geschmacksvarianten, am leckersten ist die Kamatahvel mit Waldbeeren. Die Ähnlichkeit zu westlichen Müsliriegeln macht die Kamatahvel auch bei Jugendlichen zum Renner.