Schloss Rundale – Das Versailles des Baltikums

Wer hätte das vermutet, mitten in der weiten Landschaft Semgallens im Süden Lettlands taucht 15 km von Bauska entfernt eine kulturhistorische Perle auf – das „Versailles des Baltikums“ genannte Schloss von Rundale. Schloss und Park gehörten zu den schönsten Schloss-Ensembles Europas.

Ein Traum von einem Schloss in Lettland

Eine architektonische Faszination mitten auf dem Land ist dieses prächtigste Barockschloss des Baltikums mit seinen 138 Räumen. Ein ganzes Ensemble von Bauten aus Barock und Rokoko und einer herrlichen Parklandschaft wirkt fast wie ein Traum, der einer Fata Morgana ähnelt. Tatsächlich sucht das Schloss Rundale im weiten Umkreis seinesgleichen und beeindruckt nicht nur durch seine Schönheit, sondern auch ob der schieren Größe. Wenig Wunder nimmt es da, dass dieses Schloss von zahlreichen Superlative als Beinamen geziert wird wie: „Versailles Lettlands“, „Versailles des Baltikums“, Versailles an der Ostsee“ oder gar „Versailles des Ostens“.

Barockschloss Rundale

Schloss Rundale erhebt sich in der südlettischen Ebene mitten in einer unberührten Landschaft. Die Idee des Architekten war es, mit dem Schloss Rundale das Zentrum aller Lebenskreise und Lebensbereiche der Region darzustellen und ein Symbol der Herrschermacht zu schaffen. Die Verbindung zum Gedanken des gottgesandten Herrschertums sollten scheinbar in die Unendlichkeit führende Alleen herstellen.

Was dieses Schloss so besonders macht, ist seine fast komplette Erhaltung im Originalzustand. Keine großen Kriegszerstörungen und keine wesentlichen Umbauten und Stilanpassungen an den veränderten Geschmack der Besitzer zerstörten dieses harmonische Bild. Noch immer findet sich die grundlegende Architektur, die aus den drei Schlossflügeln mit den beiden Querbauten und der Toranlage besteht, die den geschlossenen Ehrenhof umrahmen. Der Hof für die Kutschen befindet sich zwischen dem Schloss und den als Halbrund angelegten Stallungen. Nicht nur die originale Architektur ist weitgehendst erhalten, auch mit der Ausstattung der Räume hat man sich die Mühe gemacht, sie der Epoche perfekt anzupassen.

An die Südseite des Schlosses schließt sich der 10 Hektar große, streng regelmäßig als „französischer Garten“ angelegter Barockpark mit Gärtnerhaus an, der mit genauso regelmäßig angelegten Alleen in den Waldpark führt, der einstmals ein Jagdpark war. So umfasst die Gesamtfläche des Schlossensembles 72 Hektar. Dazu gehören auch die Flächen des einstigen Herrenhauses mit Teich und Krug.

Bau und Geschichte von Schloss Rundale

Den Bauauftrag für die neue prachtvolle Sommerresidenz Schloss Rundale mit französischem Garten gab die russische Zarin Anna Iwanowa für den kurländischen Herzog Ernst Johann von Biron. Kein Geringerer als der Stararchitekt Francesco B. Rastrelli sollte das gigantische Vorhaben im Stil des Schlosses von Versailles umsetzen. Rastrelli hatte sich durch den Bau zahlreicher prächtiger Paläste in St. Petersburg, der damaligen Hauptstadt des Zarenreichs, einen Namen gemacht. Das Bauvorhaben wurde in nur vier Jahren von 1736 bis 1740 realisiert. Doch der neue Bewohner von Biron konnte das Schloss nur drei Jahre nutzen. Dann starb seine Gönnerin, die Zarin Anna Iwanowna und von Biron wurde nach Sibirien verbannt. Erst nach dem Machtantritt von Zarin Katharina II. im Jahr 1761 kehrt er zurück. Nun wurden auch die Arbeiten am Schloss beendet. So wurde auch die Innenausstattung erst 1763 bis 1768 vom Berliner Bildhauer Johann Michael Graff und den italienischen Malern Francesco Martini und Carlo Zucchi fertig gestellt. Nach dem Amtsverzicht seines Vaters im Jahr 1769 übernahm sein Sohn Peter von Biron neben dem Herzogsamt auch das Anwesen und nutze es bis 1795. Dann wurde das Herzogtum Kurland vom Zarenreich annektiert und die Familie von Biron wurde finanziell abgefunden. Ins Schloss zog nun der Zarengünstling Graf Platon A. Subow und wenig später ging der Besitz an die Familie Schuwalow über.

Schloss Rundale

Im Ersten Weltkrieg wurde das Schloss beschädigt. Es ging 1920 im Rahmen der lettischen Agrarreform in den Besitz des seit 1918 souveränen lettischen Staats über. Das Schloss wurde als Grundschule und Wohngebäude genutzt. Ab dem Jahr 1933 gehörte das Barockschloss zum lettischen historischen Museum, das umfangreiche Renovierungsmaßnahmen veranlasste. Zwar überstand Rundale den Zweiten Weltkrieg äußerlich fast unbeschadet, wurde dann aber als Kornspeicher genutzt, weshalb große Teile der Inneinrichtung zerstört wurden. Seit 1972 dient Schloss Rundale als Museumsgebäude und umfangreiche Restaurierungsarbeiten begannen.

Schlossmuseum, Schlosspark und das Besichtigungsangebot

Wer als Reisender das Baltikum erkundet, sollte eine Reise auswählen, die einen Besuch im Schloss Rundale vorsieht, wie die „Große Kulturreise durch das Baltikum“. Bei einem Besuch in Rundale erwartet den Besucher im Schlossinneren eine ganze Reihe prunkvoll und im Stil der Zeit ausgestatteter Säle, die zwar kein Originalmobiliar mehr enthalten, aber architektonisch interessant und vielseitig sind. Noch immer dauern die Restaurationsarbeiten an, doch sind die meisten der 43 Sälen des Schlosses heute zu besichtigen. Darunter befinden sich der „Goldene Saal“ der mit 250 m² großen Deckengemälden glänzt, der „Weiße Saal“, der einst Festsaal für große Galafeste war, der „Tanzsaal“ der „Thronsaal“ und die „Große Galerie“.

Im zentralen Bereich des Schlosses sind alle Räume für die Öffentlichkeit zugänglich, darunter einige der Privatgemächer und Paradesäle des Herzogs. Die privaten Gemächer der Herzogin sind im Westflügel zu besichtigen. Dort ist im Erdgeschoss die Europäische Ausstellung für Dekorative Kunst untergebracht. Neben den Dauerausstellungen werden im Schlossmuseum auch Ausstellungen zu wechselnden kulturhistorischen Themen gezeigt.

Im Schloss finden sowohl das Festival für Alte Musik sowie viele Konzerte klassischer Musik statt. Auch im „Theater im Grünen“ im Schlosspark finden im Sommer regelmäßig Veranstaltungen und Gartenfeste statt. Immer aber ist ein Spaziergang in den herrlichen Grünanlagen des Schlossparks ein Genuss für jeden Besucher.