Rauchsauna in Estland und Lettland

Die Sauna und das Saunieren gehören in den baltischen Ländern Litauen, Lettland und Estland zur Alltagskultur. Ohne Sauna fühlt man sich dort weder körperlich noch geistig rein.

Das gilt auch für die heutige Zeit in der Bad und Dusche Selbstverständlichkeiten sind.

Schon vor Jahrhunderten wusste man im Baltikum dazu um die gesundheitsfördernde Wirkung der Sauna, auch kannte man die Bedeutung für die spirituellen Aspekte, die Körper, Geist und Seele wieder in Einklang bringen. Die ersten schriftlichen Zeugnisse über die Benutzung von Saunen sind über zweitausend Jahre alt.

Saunaarten Im Baltikum

Bis heute kennt man im Baltikum vier Saunaarten:

  • Die Dampfsauna, die mit 70 Grad heißem Wasserdampf betrieben wird.
  • Die moderne finnische Sauna, die heute elektrisch betrieben wird und Lufttemperaturen von bis zu 100 Grad bei nur 3% Luftfeuchtigkeit erreicht.
  • Die auf dem Land beliebte Naßsauna mit Temperaturen von 60-80 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von an die 100%. Erreicht wird das durch Aufgüsse auf die im Holzfeuer erhitzten Feldsteinen.
  • Der bei weitem älteste Saunatyp ist in den drei baltischen Ländern die Rauchsauna.

Funktionsweise der Rauchsauna

Die traditionelle Rauchsauna ist meist ein quadratisches geschlossenes Holzhaus, das typischerweise etwas abseits auf einem ruhigen Fleckchen Erde ganz für sich stand, auch wegen der Feuergefahr. Oft war zumindest ein Brunnen oder ein Gewässer in der Nähe, damit man sich nach dem Saunagang gut abkühlen konnte. Im Unterschied zu den anderen Saunatypen hat die Rauchsauna keinen Schornstein oder erkennbaren Rauchabzug. Herz dieser Sauna ist ein Holzofen, der aus Steinen ohne Lehmabdichtung errichtet ist. Stundenlang brennt das Holz und heizt den Raum auf. Der sich entwickelnde Rauch tritt aus der Ofenöffnung und den Ritzen zwischen den Ofensteinen hervor, bleibt im Raum gefangen und trägt seinerseits zur Temperaturerhöhung bei. Deshalb sind die Wände und Bänke von Ruß geschwärzt. Ist das Holz verbrannt und die gewünschte Temperatur erreicht, wird der Holzofen geschlossen. Dann werden die Entlüftungsklappen oder die kleine Fensterluke geöffnet und der Rauch kann abziehen. Schädliche Rußgase sind durch das Stoßlüften in der Rauchsauna nicht mehr vorhanden. Dann kann es losgehen, die Saunagäste nehmen sich ein hölzernes Sitzbrett, und legen es auf die Saunabank, bevor sie sich setzen. So wurden sie nicht rußschwarz. Ein Saunabad wurde mindestens an jedem Sonnabend genommen, sehr oft aber täglich, denn das Saunieren hatte den Ruf, erholsamer als Schlaf zu sein. Dazu gab es in früheren Zeiten in Regionen mit häufigem Besuch der auch „Badstube“ genannten Rauchsauna weniger Krankheiten, als in anderen Regionen. Das bewirkte vor allem die Hitze, die Keime und vieles andere Schädliche abtötete.

Die Bedeutung der Rauchsauna

Im Baltikum gilt die Rauchsauna als ältester heute noch existierender Saunatyp. Sie ist ursprünglich eine Weiterentwicklung der archaischen Erdsauna, die der ursprünglichste Saunatyp ist, und in eine Erdgrube eingelassen wurde. Die Rauchsauna wird im Baltikum bis heute im Südosten Estlands in den Kreisen Vöru und Pölvamaa aber auch in der lettischen Region Latgale benutzt. Schon im 18. Jahrhundert verfügte in diesen Regionen jeder Bauernhof über sein eigenes Blockhaus mit der Rauchsauna. In diesem „Badhaus“ wurden ursprünglich nicht nur Saunabäder genommen. Weil man dort abseits des Hofbetriebs in ruhiger Atmosphäre war, wurden dort auch die Kinder geboren.

Es ist gerademal gut hundert Jahre her, da waren die Rauchsaunen in Estland sowie Lettland noch die am häufigsten anzutreffende Saunaart. Erst zu Beginn des vorigen Jahrhunderts begannen sich die „sauberen“ und rauchlosen Saunen durchzusetzen. Wegen der ganz besonderen Bedeutung der Rauchsauna in der Kultur vor allem Estlands und Lettlands wurde die Rauchsaunakultur im Jahr 2014 in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.