Livland

Livland ist die Bezeichnung für eine historische Landschaft im Baltikum. Genauer gesagt wird mit Livland der südliche Teil Estlands bis hoch zum Peipussee und die heutige lettische Region Vidzeme nördlich von Riga bezeichnet. Dieses Livland wird lettisch auch Livonija oder Vidzeme und estnisch Liivimaa genannt. Die räumlichen Grenzen der mit Livland bezeichneten Region änderten sich im Lauf der Geschichte mehrfach. Im heutigen Lettland wird mit Livland ausschließlich die Region Vidzeme genannt.

Die Liven

Livland

Livland war die Heimat der Liven, die auch Livonen oder Linonier genannt wurden. Mit der livischen Sprache gehörte der Stamm zur ostfinnischen Gruppe der finno-ugrischen Sprachenfamilie. Die Vorfahren von Esten, Kareliern und auch Liven waren allesamt finno-ugrische Stämme, die in der Jungsteinzeit im 3. und 4. Jahrtausend v. Chr. ins Baltikum einwanderten. Sie waren Jäger und Sammler, die langsam sesshaft wurden. Die livische Sprache gilt heute genauso als ausgestorben, wie die Liven selbst. Sie wurden von Esten und vor allem Letten assimiliert.
Nach dem Ende der Kreuzzüge durch den Verlust Jerusalems und des Heiligen Landes 1187 suchte das Rittertum neue Betätigungsfelder und fand sie in Kreuzzügen gegen heidnische Völker wie die Balten im Osten Europas. Kaiser Friedrich II. übertrug in der goldenen Bulle von Rimini dem 1188 gegründeten Deutschen Orden unter Hochmeister Herrmann von Salza die dabei eroberten Gebiete als Eigentum. Der Deutsche Orden nahm seine Feldzüge gegen die heidnischen Prussen 1230 auf. Aus diesen Zeiten stammen auch die ersten urkundlichen Erwähnungen der Liven, nämlich aus der. Nestorchronik im 12. Jahrhundert und der Livländischen Chronik von Heinrich dem Letten im 13. Jahrhundert.
Im Jahr 1201 brach der aus Bremen stammende Bischof Albert vom Buxthoeveden von Lübeck aus an der Ostseeküste entlang nach Osten auf. In der Dünamündung ging er an Land und errichtete dort 1201 die Festung Riga. Nach den Liven wurde das neue Ordens-territorium Livland benannt. Im Jahr 1202 wurde dort der Schwertbrüderorden zur Missionierung der Liven tätig. In den nächsten Jahren eroberte der Orden die ganzen Gebiete der Liven inklusive der südlichen Teile des heutigen Estlands, auch die Territorien der Lettgallen wurden vom Schwertbrüderorden erobert. Den Norden Estlands ließ Dänenkönig Waldemar II. 1219 von seinen Heeren besetzen.

Das Ende des Schwertbrüderordens

Livland

Doch die Grenzen der Territorien des Schwertbrüderordens waren überdehnt, die Zahl der zur Verfügung stehenden Truppen zu gering. So wurde der livländische Schwertbrüderorden 1236 in der Schlacht von Schaulen (litauisch: Šiauliai) von den Schemaiten, Litauern und Livländern vernichtend geschlagen. In der Folge ging der Schwertbrüderorden 1237 im Deutschen Orden als Livländischer Orden auf und wurde Teil des Deutschordensstaats. Das Territorium Livland fiel an der Deutschen Orden wurde aber weitgehend eigenständig vom Livländischen Orden verwaltet, ein Landmeister des Deutschen Ordens nahm die Hoheitsrechte wahr. So wurde das „Meistertum Livland“ zum zweiten Kernland des Ordensstaats und nach dessen Muster ausgebaut.
Das Leben in Livland bestimmten bald aus Deutschland einwandernde Adelsgeschlechter, die Baltendeutschen. Unter ihnen waren Familien wie die weit über das Baltikum verstreuten Zweige derer von Stackelbergs. Der Marineoffizier Hans Freiherr von Stackelberg wurde als Kapitän des Segelschulschiffs Gorch Fock, sowie als Buchautor und als Komponist des Gorch-Fock-Lieds bekannt. Aus der Region Livland stammte auch der in Riga geborene sowjetische Filmregisseur Sergej Eisenstein, der mit dem Film „Panzerkreuzer Potemkin“ einen Filmklassiker schuf. Ebenfalls aus Riga stammten auch der Komiker Heinz Erhardt sowie der in Cesvaine in Livland geborene Schriftsteller Jakob Lenz.

Die Livländische Konföderation

Die Livländische Konföderation (lat. Terra Mariana, Marienland Livland) bestand seit 1228 als lose organisierter Staatenbund von 1228 bis 1561 Jahre auf dem heutigen Gebiet von Estland und Lettland. Dazu gehörte das Territorium des Schwertbrüderordens, das Erzbistum Riga, das Bistum Dorpat, das Bistum Ösel-Wiek und das Bistum Kurland. Die Konföderation entstand nach der päpstlichen Forderung nach mehr Einfluss. Man einigte sich darauf, dass die Kirche zwei Drittel des eroberten Territoriums beherrschen sollte, doch de facto hatte der Orden die Macht. Trotz Konföderation kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen dem Orden, den Bistümern und den mächtiger werdenden Hansestädten. Das Ende der Konföderation und der Selbstständigkeit kam im Livländischen Krieg (1558-1583), als der Landtag der Konföderation sich unter den Schutz der polnischen Kronen stellt.

Das Herzogtum Livland

Der letzte Landmeister in Livland war Gotthard Ketteler. Er begründete 1561 das Herzogtum Kurland und Semgallen unter polnischer Oberhoheit. Aus der Region um Riga und den Territorien nördlich der Düna wurde 1566 das Herzogtum Livland, das nach der Union von Lublin 1569 direkt unter polnisch-litauischer Herrschaft stand. Im polnisch-schwedischen Krieg (1621-1629) gingen große Teile des Herzogtums Livland an Schweden verloren. Im 2. Nordischen Krieg (1656-1658) besetzten russische Truppen die verbliebenen Gebiete Livlands bis nach Riga. Zwar drängten die polnisch-litauischen Heere die Schweden im Norden zurück, doch wurden die Territorialverluste an Schweden 1660 im Vertrag von Oliva bestätigt. Im Vertrag von Andrussowo gab Russland 1667 die besetzten Teile des Herzogtums Livland zurück.

Das Gouvernement Livland

Livland

Der Große Nordische Krieg (1700-1721) endete mit dem Frieden von Nystad, indem einige schwedische Territorien im östlichen Ostseeraum Russland zugesprochen wurden, darunter auch Schwedisch Livland. Nach der Ersten Teilung Polens kam 1772 auch Polnisch Livland an das Zarenreich. Bis 1919 blieb Livland ein Teil des russischen Gouvernements Livland, dann wurde es zwischen den neu entstandenen Republiken Lettland und Estland geteilt. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben die beiden Teile Livlands bei den Sowjetrepubliken Estland und Lettland und nach dem Ende der Sowjetunion bei den beiden souveränen Republiken Lettland und Estland. Der estnische Teil Livlands hat keine eigene Regionsbezeichnung. Der lettische Teil Livlands wird Vidzeme genannt. So wird Vidzeme im heutigen Sprachgebrauch oft mit Livland gleichgesetzt.

Vidzeme, das alte Livland besichtigen

Wer sich speziell für diese interessante historische Landschaft Livland am Schnittpunkt lettischer, indoeuropäischer und estnischer, finno-ugrischer Kultur und Geschichte interessiert, ist mit einer Individualreise am besten bedient. Bei den Reiseplanungen kann beispielsweise bei einer Individualreise wie „Lettland zum Kennenlernen“ am besten auf persönliche Interessenschwerpunkte eingegangen werden.

Der Reisende findet in Vidzeme, der nördlichsten Region Lettlands so attraktive Ziele wie ein großer Teil der Rigaer Bucht mit der lettischen Hauptstadt Riga und dem Badeparadies Jurmala Ideal für Naturliebhaber ist der nur 50 km von Riga entfernte Gauja Nationalpark.