Kirchen in Vilnius

Egal in welche Himmelsrichtung man in Vilnius blickt: Kirchen sieht jeder Besucher dabei in Vilnius immer. Nicht umsonst wird die litauische Hauptstadt gern die „Stadt der 1.000 Kirchen“ oder auch „Rom des Ostens“ genannt. Dicht an dicht stehen gut 50 Kirchen allein im Stadtzentrum, gotisch, barock, katholisch, orthodox und eine schöner und kulturhistorisch bedeutender als die andere. Dazu ist die Altstadt von Vilnius eine Perle des Barock, was der Reisende bei der Individualreise „Vilnius – Barock auf sieben Hügeln“ eindrucksvoll erfährt.

Die sieben wichtigsten Kirchen der litauischen Hauptstadt sind in der Altstadt konzentriert. Gleich drei Sakralbauten auf engstem Raum finden sich zwischen der Šv. Mykolo gatve und der Maironio gatve.

Die Kirche des Hl. Michael

Die Michaelkirche in der Šv. Mykolo gatve 9 wurde 1594 von Leo Sapieha, dem Kanzler des Großfürstentums Litauens gestiftet. Die Bauarbeiten dauerten von 1594-1625, eingeweiht wurde die St. Michaelskirche 1627 und diente fortan der Stifterfamilie als Mausoleum. Sie ist das einzige bedeutende erhaltene Renaissancebauwerk in Vilnius und stellt so das Bindeglied zwischen den spätgotischen und barocken Kirchen der Stadt her.
In dieser fast unveränderten Kirche ist heute das Museum für das kirchliche Kulturerbe untergebracht. Unter den Exponaten sind einige der kulturhistorisch wertvollsten Schätze der Kirchen von Vilnius wie Werke der Sakralmalerei, liturgische Gewänder in Glasvitrinen, Monstranzen und Reliquienbehälter aus dem Domschatz. Sie zeigen die lange Kirchengeschichte und die Tradition der Sakralkunst Litauens.

Die Annenkirche

Gegenüber der Michaelkirche steht in der Maironio gatve 8 die Kirche St. Anna, die als Meisterwerk der Gotik gilt. Napoleon soll diese Kirche so berührt haben, dass er sie am liebsten auf seiner Handfläche nach Paris getragen hätte. Tatsächlich hebt sich die Annenkirche mit ihren zierlich, luftig und leicht wirkenden Türmen, den vielen filigran wirkenden Bögen, Ausschmückungen und Plastiken von anderen gotischen Kirchen deutlich ab. Mit ihrer Betonung der Vertikalen und den wie Reliefs wirkenden Fassaden scheint das ganze Kirchenschiff zum Himmel empor zu streben. Die Kirche wurde Ende des 14. Jahrhunderts für die Frau des litauischen Großfürsten Vytautas erbaut. Doch schon 1419 fiel die auf einem hölzernen Grundgerüst stehende Kirche einem Brand zum Opfer. Im Jahr 1499 hatten die Bernhardiner sie wiedererrichtet, nun aus 33 verschiedene Ziegelarten, die das plastische Fassadenaussehen verstärkten.
Im 17. Jahrhundert wurde die barocke Kapelle der heiligen Stiege hinzugefügt. Der frei stehende Glockenturm im neogotischen Stil wurde im 19. Jahrhundert vom Architekten Nikolajus Čiaginas (Nikolai Tschagin) erbaut. Der Innenraum ist relativ schlicht und schmucklos bis auf die barocken Seitenaltäre. Das war nicht immer so, sondern ist auf die Zerstörungen und Plünderungen des napoleonischen Zeitalters zurückzuführen.

Die Kirche des Hl. Franziskus und Hl. Bernhardin

Kirchen in Vilnius

Das kurz Bernhardinerkirche genannte benachbarte Gotteshaus in der Maironio gatve 10 wirkt wuchtiger und viel größer als die spätgotische Annenkirche. Auf den ersten Blick nicht gleich erkennbar ist diese Kirche trotz des Renaissancegiebels aus dem 17. Jahrhundert in der Grundsubstanz ein gotischer Bau, der im 17. Und 18. Jahrhundert nur durch Renaissance- und Barockelemente ergänzt wurde. Mit dem zu ihr gehörenden Bernhardinerkloster gehört sie zu den imposantesten Sakralbauten von Vilnius.

Das erste Bernhardinerkloster in Vilnius wurde bereits im Jahr 1469 gegründet. Eine erste Holzkirche ist am Platz der Bernhardinerkirche bereits für 1475 belegt. Sie wurde um 1490 durch einen Ziegelbau ersetzt, der aber schon um 1500 wegen konstruktiver Fehler abgerissen werden musste. Nur die Sakristei blieb bis heute erhalten. Die heutige Kirche wurde 1506-1516 auf den Fundamenten des Altbaus errichtet und dem Hl. Franziskus geweiht. Die Stadtbrände von 1560 und 1564 zerstörten die Innenausstattung der Kirche völlig. Der polnische König Stefan Batory, und die Familie Radziwill sorgten 1577 für die Renovierung des Innenraums. Diese Arbeiten zogen sich bis Mitte des 17. Jahrhunderts hin. Doch als die Moskowiter 1655-1661 auch Vilnius erreichten, wurde die Kirche wieder verwüstet. Sie wurde ab 1676 wiederaufgebaut und nun dem Hl. Franziskus und dem Hl. Bernhard geweiht. In der Folge wechselte die Inneneinrichtung mehrfach, das große Christus-Fresko an der Fassade wurde 1781 fertiggestellt. Im Jahr 1949 wurde die Kirche von der sowjetischen Verwaltung geschlossen und zur Lagerhalle umfunktioniert. Im Jahr 1994 kehrten die Franziskaner zurück und ließen die Kirche renovieren.

Die Kathedrale der Himmelfahrt der Gottesmutter

Nur einen Steinwurf entfernt an der Maironio gatve 14 befindet sich die russisch-orthodoxe Kathedrale der Himmelfahrt der Gottesmutter. Die Marienkathedrale genannte Kirche ist eine der ältesten Kirchen Litauens, denn sie wurde bereits vor der Christianisierung der Region durch den Schwertbrüderorden im Jahr 1346 errichtet und dem Hl. Alexis geweiht. Sie war bald eines der bedeutendsten Glaubenszentren Litauens. Nachdem Litauen durch die polnisch-litauische Union katholisch wurde, stand die Marienkirche unter dem Schutz der Fürsten Ostrogski, die 1506 die eingestürzte Kuppel neu errichten ließen. Im Jahr 1609 wurde die nochmals umgebaute Kirche nach dem Tod der Fürsten griechisch-katholisch.

Seit dem Stadtbrand von 1748 wurde die Kirche nicht mehr als Gotteshaus genutzt und 1785 im Barockstil wiederhergerichtet, aber bald von der russischen Armee im Kościuszko-Aufstand wieder zerstört. 1808 kaufte die Universität Vilnius die Kirche und modernisierte sie im klassizistischen Stil. Der Sakralbau wurde nun hauptsächlich als Theater und Bibliothek genutzt. Nach der Annexion Litauens durch das russische Zarenreich infolge der dritten Teilung Polens 1795 wurde die Marienkirche wieder in eine russisch-orthodoxe Kirche umgewandelt und von 1865 bis 1868 im damals modernen georgischen Stil vom Architekten Nikolai Tschagin um- und wiederaufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche noch einmal stark beschädigt und erst 1957 wiedereröffnet. Bis heute ist die Marienkirche Hauptkirche der russisch-orthodoxen Christen Litauens.

Die Kasimirkirche der Jesuiten

Kirchen in Vilnius

Die 1604–1609 erbaute Kasimirkirche an der Didžioji gatve 34 war das erste im Barockstil erbaute Gotteshaus in Vilnius. Sie wurde nach den Plänen der Jesuskirche, ersten Barockkirche in Rom entworfen. Der neue Baustil kam mit dem Jesuitenorden nach Litauen, der den Auftrag hatte, die Gegenreformation im Großfürstentum voranzutreiben. Geweiht wurde die Kirche dem Hl. Kasimir, dem Schutzpatron Litauens.

Auch die Kasimirkirche erlebte schwere Zeiten und wurde von etlichen Kriegshandlungen und Verwüstungen getroffen, so 1655 durch eine russische Stadtbesetzung, 1706 durch einen Brand bei der Belagerung durch die Schweden, 1749 war es ein weiterer verheerender Brand. !750-55 bekam die Kirche eine neue Innenraumgestaltung ganz im Hochbarock mit einem prächtigen Hochaltar und einer vergoldeten Krone über der Vierung. Auch diese Inneneinrichtung wurde zerstört, diesmal im Jahr 1812 von napoleonischen Truppen, welche die Kirche als Getreidelager nutzten. Im Jahr 1831 wurde die nach dem Jesuitenverbot von 1773 von den Augustinern betriebene Kirche von der zaristischen Verwaltung übernommen und 1839 zur orthodoxen Nikolai-Kirche umgewidmet. 1864-68 wurde das Gotteshaus vom russischen Architekten Nikolai Tschagin umgebaut und dem russisch-orthodoxen Glauben angepasst: die Türme erhielten Zwiebelhelme, die Frontfassade wurde verändert und im Innenraum eine Ikonostase eingebaut.

Nach dem Ersten Weltkrieg übernahmen die Jesuiten die nun wieder katholische Kirche. 1949 schlossen die Behörden der Litauischen SSR die Kirche. Die Inneneinrichtung wurde ein weiteres Mal zerstört und das Gotteshaus als Lager für Getreide und Wein genutzt. Zwischen 1955 und 1957 wurde die Kirche umgebaut und beherbergte ab 1966 ein Museum des Atheismus.
Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Litauens kehrten die Jesuiten zurück und die Kasimirkirche wurden den römisch-katholischen Gläubigen zurückgegeben.

Die erzbischöfliche Kathedrale St. Stanislaus und St. Ladislaus
Die Kirche St. Stanislaus und St. Ladislaus an der Šventaragio gatve am Fuß des Gediminas-Bergs in Vilnius ist die römisch-katholische Kathedrale des Erzbistums Vilnius. Mit dem Rang einer Basilica minor ist sie die wichtigste katholische Kirche Litauens.

An der Stelle der Kathedrale stand bereits die vermutlich erste Kirche Litauens, deren Reste unter dem heutigen Bau gefunden wurden. Sie stammte aus dem 13. Jahrhundert und stand auf einer alten heidnischen Kultstätte. König Mindaugas hat nach seiner Taufe 1251 den Bau der ersten, dreischiffigen gotischen Kirche mit einem Chor veranlasst. Doch schon nach seinem Tod 1263 dürfte die Kirche zerstört worden sein, denn Litauen blieb heidnisch. Erst Großfürst Jogaila ließ hier wiederum eine Kirche bauen, die 1387 fertig wurde. Im Jahr drauf wurde sie vom Erzbischof Bodzanta geweiht, als Jogaila König von Polen wurde. Neben der neuen Erzbischöflichen Kathedrale wurden zum Schutz der Stadt drei Burgen errichtet, eine obere, eine untere und die schiefe Burg. Der gegenüber der Kathedrale alleinstehende Glockenturm aus dem 14. Jahrhundert war einst ein Wehrturm der Burganlagen in Vilnius. Die Kirche brannte 1419 ab und Jogailas Vetter Vytautas ließ an ihrer Stelle eine gotische Hallenkirche errichten.

Weitere verheerende Brände im 16. und 17. Jahrhundert führten zu umfangreichen Um- und Wiederaufbauarbeiten zuerst im Renaissancestil (1534–1557) und nur ein halbes Jahrhundert später im Barockstil (1612–1632), als auch zwei Glockentürme am Kirchenportal angebaut wurden. Der Krieg mit den Moskowitern 1654–1657 führte wieder zu schweren Schäden an der Kathedrale, die 1666–1676 behoben wurden. Als 1769 durch Blitzschlag einer der beiden Kirchtürme einstürzte, wurde die Kirche geschlossen

In den Krypten der Katakomben der Kathedrale haben neben den Bischöfen viele bedeutende Litauer ihre letzte Ruhe gefunden, darunter Großfürst Vytautas der Große und seine Frau Ona sowie König Kasimir. Auch zwei Königinnen fanden hier ihre letzte Ruhe. Elisabeth von Habsburg (1526–1545) und Barbara Radziwill Barbara Radziwiłł (1520–1551). Die beiden Königinnen waren die beiden ersten Frauen von König Sigismund II., dem Herrscher über Polen und Litauen. Die Krypten sind für Besucher zugänglich.

Die heutige klassizistische Kirche mit dem freistehenden Glockenturm wurde 1801 fertiggestellt. Die Kirche ist ein schönes Beispiel für den klassizistischen Palladianismus mit ihren vielen Säulen und Giebeln. Im Inneren befinden sich 11 reich verzierte Kapellen, unter ihnen die St.Kasimir-Kapelle aus dem Hochbarock.

Die Kirche St. Peter und Paul

Die etwas nordöstlich des Altstadtzentrums an der Antakalnio gatve 1 gelegene Kirche der Heiligen Apostel Peter und Paul ist eine spätbarocke Perle, die als eine der schönsten Kirchen in Vilnius gilt. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts stand an diesem Platz eine hölzerne Kirche, die während des Kriegs mit den Moskowitern zerstört wurde.

Der heutige Bau wurde als Mausoleum für die Adelsfamilie Pacas 1668 – 1676 nach Plänen des polnischen Architekten Jonas Zaoras im spätbarocken Stil errichtet. Bis 1704 dauerte die Ausgestaltung des prunkvollen Innenraums wurde bis hin zum Jahre 1704. Die Stuckarbeiten führten italienische Meister durch.
Schon beim Betreten nimmt den Besucher die schmuckreiche Prachtentfaltung gefangen mit eindrucksvollen Reliefs, ausdrucksstarken Wandmalereien, dem Marmortaufbecken, der vergoldeten Rokkokko-Kanzel, dem Lüster in Schiffsgestalt, der Jesus-Skulptur und besonders den an die 2.000 Stuckarbeiten. Wallfahrer finden hier ihr Ziel in zwei wundertätigen Gemälden, dem Marienbild in der Augustinus-Kapelle sowie dem Bildnis der Pest von Vilnius.

Die Kirche St. Peter und Paul wurde während der sowjetischen Zeit nicht geschlossen.im Gegenteil, während dieser Periode wurden die Gebeine des Hl. Kasimir, des Schutzpatrons von Vilnius, aus der Kathedrale in die Kirche St. Peter und Paul überführt.